Autismus und Asperger Syndrom

Jun 23rd, 2008 | By simon | Category: Wissenschaft

Autisten sehen Autismus oft ganz anders als Ärzte und Therapeuten: nicht als Krankheit, sondern als Teil ihrer selbst. Unter dem Stichwort Autistic Pride gehen sie jetzt mit dieser Sichtweise an die Öffentlichkeit und fordern, akzeptiert zu werden, so wie sie sind. Therapien gegen Autismus lehnen sie ab: Autismus ist keine Krankheit, muss also nicht therapiert werden. Auch dass Autismus Forscher versuchen, dass Autismus-Spektrum in “Low Functioning” und “High Functioning Autismus” aufzuteilen, halten Autisten nicht für sinnvoll - dies ist unzutreffend und ist entwürdigend. Zudem nimmt es Personen Zukunftschancen, die als “low-functioning” eingeteilt werden, weil sie auf Sonderschulen, Heime und Behindertenwerkstätten kommen.

Anstatt dass die Wissenschaft zu erforschen versucht, wie man Autismus beseitigen (”heilen”) könnte, solle sie lieber erforschen, wie eine barrierefreie Gesellschaft geschaffen werden kann und wie die Lebenssituationen autistischer Menschen verbessert werden kann. Besonders schaft kritisieren Autistic Pride Vertreter die Genforschung, mit der sogenannte “Autismus-Gene” identifiziert werden sollen. Denn das klare Ziel dieser Forschung ist die pränatale Diagnostik und Selektion - wie es beim Down-Syndrom bereits geschieht. Die autistische Interessenvertretung Autismus Kultur setzt sich dafür ein, dass diese Forschung eingestellt und verboten wird. Die pränatale Selektion widerspricht im übrigen den Grundgesetz, in dem steht: “Niemand darf wegen einer Behinderung benachteiligt werden.”

Autisten akzeptieren inzwischen nicht mehr, dass Eltern und Ärzte für sie sprechen: sie bilden eigene Interessenvertretungen, organisieren eigene Tagungen, wie Autreat in den Vereinigten Staaten und Autreat in England, sie schreiben Bücher und wissenschaftliche Arbeiten über Autismus.

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